Eine Lanze für Top-Manager und Politiker oder We live in our selves and mistake it for life!

‘Disclaimer’: Geschrieben gegen Ende der Cisplatin-Infusion um 03:45Uhr – nach Genuss einer heißen Portion Paella.

 

Top-Manager und Politiker: sie sind allein dem Teile des Steve Jobs Bonmots verfallen, den wir, die Gesellschaft, ihnen gelassen haben: “Stay hungry!’ – in genau der Bedeutung, die wir ihnen oktruierten.

‘Stay foolish!’ dagegen war gegen alle ‘Vernunft’, wie wir unsere effizient-abstrakt makro-statistische ‘Kultur’ heute nennen. Also strichen wir, das Volk, dies vor langen Jahren ersatzlos. Beides übrigens lange bevor Steve dies den Studenten ans Herz legte.

Top-Manager und Politiker: sie haben die Welt verändert – leider allein zu ihren Gunsten.

Aber was haben wir erwartet? Wir haben sie gewählt, befördert, gewähren lassen – in dem Glauben, sie würden sich als dankbar erweisen.

Aber was haben wir erwartet? Wir selbst haben ihnen vom ersten Atemzuge an ua. Dankbarkeit, Nächstenliebe, Mitleid, Solidarität und Empathie als Schwächen und ganz und gar verwerflich aberzogen.

Konsequenterweise definierten wir in der Folge Liebe zur reinen Belohnung normierten Wohlverhaltens und Denkens, tumber Konsum-, Kassen- und Karriere-Orientierung um.

 

Top-Manager und Politiker: sie trifft wenig Schuld. Wir schufen sie. Aus unserer synapsen-armen, seelen-losen Rippe. Sie sogen von klein an unser aller Kultur auf, besuchten unser aller Schulen, lernten (oder eben nicht) von unser aller Lehrern und Professoren. Lasen unser aller Bücher, die wir mit unser aller Geld in die Spiegel- und sonstigen Bestsellerlisten der Durchschnittlichkeit kauften. Sogen als Praktikanten, Azubis und Trainees unser aller Denke auf, übernahmen unser aller kruden Werte, Moral und Ethik – unreflektiert, denn auch Reflexion wurde ihnen aberzogen.

Sie waren und sind wie wir. Aus unserer Mitte. Sie sind wir und wir sind sie.

Ladendiebstahl wurde zur Mutprobe marginalisiert, wie Steuerhinterziehung und Versicherungsbetrug Sport und Kavaliersdelikt wurden.

Wir selbst sind die Anleger und Investoren, deren Gier skrupellose Top-Manager allüberall ausnutzen, um unanständige Verträge auszuhandeln. Wir selbst nahmen ihnen die Skrupel.

Längst ist das eigentliche Gewerk bloßes Mittel zum Zwecke überdurchschnittlicher Geld- und Bekanntheits-Vermehrung um ihrer Selbst willen. Karriere (noch solch ein Euphemismus), Bonus, Firmenwagen zählen mehr als alles Wesentliche. Darauf sind sie stolz, nicht auf das Produkt. Nichts liegt uns heute ferner als wahre intrinsische Motivation.

Längst zählt als Antrieb nur noch ‘Der Neid in den Augen der anderen’, längst ersetzten wir damit ‘Das Feuer in uns allen’ – war letzteres doch allzusehr mit Anstrengung, Schweiß und Tränen, Leistung, Qualität und Effektivität verbunden.

 

Allein, der Neid der wärmt nicht lange. Instant Gratification und Ersatzbefriedigung verlangen immer kürzere Abstände und höhere Dosen. Ein Teufelskreis, dessen Ausgang wir nicht mehr finden, vergessen haben.

Killed by the Government? Eine Verdrängung und Exkulpation allererster Güte. Wir sind die Masse, die dem Individuum, der Vielfalt abschwört. Wir schufen diese fünf Parteien, die sich – wie unsere Autoproduzenten, Stromanbieter, Tankstellenketten, et al. – nur durch ihre Markennamen unterscheiden, nicht durch Ideen, Innovation, Lösungsorientierung, Zukunftsfähigkeit, Weisheit.

Killed by the Government? Wir sind nicht die Opfer des Establishments, wir sind die Täter! Die Gaffer an der verunfallten, einstigen Demokratie. Die Enabler des Establishments. Die teilnahmslosen, ahnungslosen, trostlosen Ruinen eines einstigen Volkes aus Bürgern. Dichtern und Denkern.

Wir sind die unter Drogen und Antibiotika gesetzten Bewohner unserer Hühnerfarmen. Wir sind der ritualisierte Massensuizid anlässlich Aktionärs-Vollversammlungen und Wahltagen. Über uns lacht das Establishment. Könnt Ihr es nicht hören? Natürlich nicht, unser (auch mediales) Gegacker über Nichtigkeiten ist zu laut.

Natürlich nicht. Dazu müssten wir erweckt werden. Hervorgelockt werden hinter unseren Öfen, herausgelockt aus unseren Comfort Zones. Wieder über uns hinauswachsen – wie sonst sind wir wohl einst so groß geworden? Wieder einander vorangehen, ob gerade jemand guckt oder nicht, wieder einander inspirieren. Wieder unvernünftig sein.