Nö, es wird keine Revolution geben, II – oder We all live in our selves and mistake it for life!

(Nö, es wird keine Revolution geben, Teil I)

 

Wie schlimm es wirklich um uns bestellt ist, erkennen wir am ehesten in der simplen Analogie des Euphemismusses ‘Gesundheitssystem’ zum Leben da draussen:

Nö, es wird keine Revolution geben, …

Weil sich alle längst an diese menschenverachtenden Wartezeiten beim Hausarzt, in den Lottospielräumen, die wir heute Post nennen sollen, auf dem Amt, bei der Bahn, in den telephonischen Warteschleifen, der Klinik bei jeder verdammten Untersuchung gewöhnt haben.

Weil eben alle möglichst schnell gesund werden und aus dem Krankenhaus raus wollen. (Und man lasse sich dies auf der Zunge zergehen: Weil man schneller hinaus will, akzeptiert man, länger drin zu sein als man eigentlich müsste. Wenn das nicht wahrlich krank ist.)

Weil keiner mehr aufmuckt, aus Angst, dann schlechter behandelt zu werden, von Verwaltung, Pflegern und Ärzten, wo man sie trifft.

Man spart sich gar die Diskussion um die beste Therapie, denn draussen warten schon drängelnd wie man eben noch selbst die Tausend anderen. Weil alle froh sind, während der Therapie, überleben zu können.

Überleben? Ist warten allüberall leben? Oder dahinvegetieren? Sich kostbare Lebenszeit stehlen lassen von einem brutal inkompetenten System, das nicht mehr infrage gestellt wird?

Weil alle ach so froh sind, so gerade eben überlebt zu haben und diese ‘Behandlung’ durch die absolut desinteressierte und inkompetente Klinikverwaltung, sowie die elenden Wartezeiten und Unverschämtheiten, die man sich von den sogenannten Gesundheitskassen am Telephon gefallen lassen muss, augenscheinlich der Preis sind, den man für seine Gesundheit bzw. eben dieses Überleben zu zahlen hat.

Weil der meistgehörte Satz “Ja, aber ändern können wir es nicht” ist?

ABER DAS IST BLÖDSINN!

Verdammt, es wird nur besser, wenn man sich beschwert, wenn man sich wehrt, wenn man meutert, wenn man muckt, wenn man aufbegehrt, hinterfragt, wenn man vorausdenkt. Wenn man sich diesen destruktiven Regeln, die von der Ahnungslosigkeit, der Inkompetenz und dem Wahnsinn der Verantwortlichen beredtes Zeignis ablegen, verweigert.

Seid verdammt nochmal nicht vernünftig! Lasst Euch nicht alles gefallen! Lasst Euch gar nichts gefallen!

Weder von den Kassen, noch den Kliniken, noch der Politik! Nehmt Euer kleines Leben wieder selbst in die Hand! Macht Euch schlau, wenn es Bildung, Schule und Eltern schon nicht tun.

Wachst über Euch hinaus und macht aus Eurem kleinen Leben ein großes, ein großartiges gar!

Aber all dies betrifft Euch alle, die Ihr dies nun lest, und auch den ersten Teil gelesen habt, natürlich nicht.

Ihr lebt dies alles ja längst, und das ist auch gut so, denn deshalb geht es uns so gut, sind wir so frei und unabhängig. So fair und sozial. So kreativ und innovativ. So fortschrittsfreundlich und zukunftsfähig.

Ihr lebt ja längst Euer Leben – oder was Ihr dafür haltet. Ihr habt all Eure Gedanken zu Sinn und Bedeutung des individuellen Beitrages und Lebens in unserer Gesellschaft schon vor Eurem inneren Auge vorüberziehen lassen, Euch das individuell Überzeugende herausgepickt, und lebt dies entsprechend vorbildlich. Nein, um Euch muss ich mir keine Sorgen machen.