Tag -05: Irene, der Brechreiz und das Angela

Sonntag, 07. Juli 2013

Liebes Tagebuch, schrieb Irene in ihr Tagebuch. Dem Autor drehte sich der Magen im Grabe um. Mir war es egal.

Liebes Tagebuch, heute begann die aktuelle Chemo. Die war der Hammer. Selbst jetzt, Stunden später, fühl’ ich mich noch schwindelig. Zum Glück hat der Brechreiz inzwischen nachgelassen.

Irenes Hirnhälften waren uneins, ob dies an der Chemo oder dem ostentativen Schweigen der Koalition der Ahnungslosen zum aktuellen Überwachungsskandal lag.

Vorsorglich hatte sie ihr Lieblingsshirt abgelegt, man wusste ja nicht, wann es besser wird oder welche argen Flecken man sich einhandeln kann.

Das Wetter ist leider gut. Schön für Dich, liebes Tagebuch. Aber ich darf das Zimmer nicht verlassen. Verdammt, die Sache mit der Quarantäne hatte also doch einen Haken, fühlte Irene sich bestätigt.

Draussen tanzten die Grade in flirrender Hitze mit den Besuchern anderer Insassen um die Wette. Technikseidank wurde das Innere ihrer eigenen Heimstatt der nächsten Wochen auf erträgliche Temperaturen runtergekühlt.

Während der Rasen langsam seine gesunde, grüne Farbe einem bleichen Braun opferte, ging es ihr langsam besser.

Das ist nur fair, liebes Tagebuch, schrieb sie, sich über die Schatten spendenden Bäume direkt vor ihrem Fenster freuend. Sanft schlief sie über ihrem Tagebuch ein, das sich ebenso sanft an sie schmiegte – vomit sich der Kreis wieder schloss.

 

(Unter Irene in Quarantäne findet Ihr alle Tagebucheinträge. Idealerweise würde sie Euch der Erzähler der alten Winnetou-Schallplatten vorlesen.)