Replik meines Professors auf meine @wiwo-Kolumne ‘Berühmte letzte Worte’

Mein Professor hat eine meiner letzten Kolumnen bei wiwo-online gelesen (Berühmte letzte Worte: "Stay hungry"? – alles Blödsinn!) und mir per Mail einen guten Kommentar zukommen lassen.

Einen Kommentar, dessen lebendige, vergleichende Einordnung und Relativierung des guten Steve Jobs mir so gut gefällt, dass ich diesen (nach Freigabe) hier gerne veröffentliche.

Viel Vergnügen!

 

"Lieber Herr Schwartz,

wenngleich ich Ihnen prinzipiell zustimme, insbesondere in der Behauptung, dass Darwin falsch verstanden wird, so finde ich jedoch einen Vergleich zwischen Charles Darwin und Steve Jobs eigentlich mehr als unangebracht.

Darwin ist in einer Reihe zu sehen mit Newton und Einstein, d.h. er ist einer der wenigen Menschen, die Grundzüge der Funktion unserer Welt, wenn nicht gar den Werkzeugkasten der Schöpfung verstanden und dieses Wissen der Allgemeinheit zugänglich gemacht haben.

Im eigentlichen Sinne ist das 'survival of the fittest' als das Überleben des am besten an die sich verändernde Umwelt angepassten Lebewesens zu verstehen. Egal ob es sich hierbei um einen Löwen, einen Dinosaurier oder einen Regenwurm bzw. Grottenolm handelt.

Allein das Beispiel der Dinosaurier zeigt, dass die Interpretation des 'Überleben des Stärkeren' ein kolossales Missverständnis ist.

In diesem Sinne ist Steve Jobs also ein Löwe bzw. Grottenolm, der in einer bestimmten Zeit in einer bestimmten Umwelt den aktuellen Zeitgeist getroffen hat. Er steht damit eher in einer Reihe mit Justin Bieber oder Tokio Hotel denn mit Darwin oder Einstein.

Das seine Person derzeit insbesondere in Managerkreisen geradezu religiös verehrt wird halte ich für eine dem Zeitgeist geschuldete Fehleinschätzung.

Natürlich hat er den Umgang mit elektronischen Medien verändert, aber auch das ist eine zwangsläufige Entwicklung gewesen.

Wie sagte mir einer meiner Lehrer in der Vergangenheit immer: "Wenn wir Dich nicht hätten – dann hätten wir jemand anderen".

Ich werde mich jetzt einige Tage in die USA verziehen, um dort sicherlich nicht über die Zukunft der Informatik nachzudenken.

Viele Grüße und alles Gute, Ihr

G. Kobbe

Professor Dr. med. Guido Kobbe
Oberarzt und Leiter der Blutstammzelltransplantation
Klinik für Hämatologie, Onkologie und Klinische Immunologie
Universitätsklinikum Düsseldorf
"

 

 

In diesem Zusammenhang möchte ich auch auf einen älteren leadculture-Post von mir verweisen:

Around the World CEOs and Managers Breathe a Sigh of Relief on Steve Jobs' Resignation