R101 – Des Klinik-Kommerzes effizienz-optimiertes Lächeln

Diese gähnende Langeweile.

Nachdem ich die letzten Tage vor einem Jahr mit nur einem 150gr-Joghurt, zwei homöopathischen Dröhnungen und ein paar antibiotischen Tablettchen ausgekommen war, begab ich mich in ein Krankenhaus meiner Wahl, genauer: dessen Notfallstation.

Es war natürlich nicht mehr das Krankenhaus meiner Wahl als wir dort eintrafen. Inzwischen war es privatisiert. Da werde ich immer nervös. Abgründe. Vorurteile halt.


Via ‘this message is too wide to fit your screen’.

Die Abgründe der Kommerzialisierung drohend vor Augen … Ihr wisst schon.
Wird es ernst, kann der effizienz-optimierte Kommerz nur dümmlich lächeln, einen schalen Slogan trällern, kaum helfen und schon gar nicht die Dinge zum Besseren wenden.

Nichtsdestotrotz, eine zweite Meinung musste her. Schnell. Mit meinem Hausarzt war kein Staat mehr zu machen – sollte ich doch gar mit dem Antibiotikum beginnen, ehe überhaupt die Bluttestergebnisse vorlagen. Gefahr im Verzug.

Wir haben uns wenige Tage später wortlos getrennt. Ich dachte leise, was ich Monate später auch einem Arzt der Uniklinik Düsseldorf mit einem Augenzwinkern sagte:

“Die guten Ratschläge und Medizin habt zwar Ihr,
aber sterben daran müssen immer noch wir”.

Im Grunde ging dann alles sehr vergleichsweise schnell: mit meinen immer noch locker 39-40 Grad Temperatur bekam ich schnell Blut abgenommen und musste nur zwei schnelle Stunden auf Ergebnisse und schnellen Arzt warten.

Sehr schnell auch, weil dort effizient und gleichzeitig income-maximierend gearbeitet wurde: ‘Fieber? Was wollen Sie hier? Sie gehören ins Bett. Wir können hier nichts für Sie tun. Ihre Blutwerte sind nicht aussergewöhnlich. Ihr Thermometer ist kaputt, wir messen hier nur 39,3 Grad. Gehen Sie nach Hause. Sie haben einen grippalen Infekt’.

Mann, war ich froh, dass ich nichts hatte.

Gut, vielleicht hatte er sich am Fieber festgebissen. Vielleicht deshalb die um den Faktor 14 erhöhten Entzündungswerte diesem zugeordnet. Vielleicht hätte er noch Togal empfohlen, aber schnell hatte er den Raum schon wieder verlassen.

Vielleicht fehlte ihm einfach das Sherlock-Holmes-Gen eines wirklichen Mediziners. Ich zog mich schnell an und schließlich schweigend zurück.

Schwer krank musste ich sein, soviel wusste ich. Tagelang hatte ich das Internet nicht mehr angefasst, die TV-Fernbedienung, irgendwelche Zeitschriften und Bücher. Dem Tode näher als sonst musste ich sein.

Aber wer hört schon auf einen fiebrig Halluzinierenden?

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