R101 – 49-jähriger wacher Patient, reduzierter Allgemeinzustand

Mit obigen, nüchternen Worten übernahm man mich am 10.12.2012 von der Notaufnahme der Uniklinik Düsseldorf in die zugehörige Klinik für Blabla und Infektiologie. Infektiologie, da man bei mir Pfeiffersches Drüsenfieber vermutete. Nein, das hat nichts mit der Feuerzangenbowle und Pfeiffer mit drei F zu tun, wie sich die Älteren erinnern.


Via 'this message is too wide to fit your screen'.

Irgendwann gegen 2200 abends landete ich dort, nachdem ich schlappe sechs Stunden zwischen ähnlich Besorgnis erregenden Notfällen verbracht hatte. Damals konnte ich noch nicht ahnen, dass dies beileibe nicht das letzte Mal gewesen sein sollte.

Ahnen konnte ich auch nicht, wie verdammt nah diese knappe Diagnose schon der späteren Wahrheit kam: Pfeiffersches Drüsenfieber, erläuterte man mir Wochen später, gilt als eine der Vorstufen des Lymphdrüsenkrebses.

Hoffen konnte ich nur, dass diese Notaufnahme bereits die Hölle und nicht nur ihr Vorhof war.

Erahnen konnte ich das persönliche Engagement der ÄrztInnen, die in diesem Tohuwabohu die Übersicht behielten.

Ungeahnt die Stöcke, die allüberall dem Engagement der Einzelnen von einer effizienz-optimierenden, übereifrigen Verwaltungs-Armada zwischen die Beine geworfen wurden. Ich sollte sie noch kennenlernen. Wenn Effizienz die Effektivität meuchelt.

Ohne Probleme konnte ich die personaltechnische Spreu vom Weizen trennen. So verwirrt war ich auch nicht.

Egal, auf der Station gab es ersteinmal Bratwurst mit Püree und Sauerkraut als Antwort auf die Frage, ob ich Hunger hätte. Nun, warum auch immer, und warum auch nicht, ich verspürte den ersten Hunger seit knapp 10 Tagen.

Da gingen sie hin die 11,7% meines Körpergewichtes, die ich in knapp 7 Jahren unter Vermeidung regulärer Arbeit in randomisierte Muskelmasse verwandelt hatte.

Am nächsten Morgen erhielt ich die Nachricht, die einem direkt den gestrig wiedergefundenen Appetit erneut verschlug: Leberzirrhose. Damit kam man nicht mehr weit.

Die erste Woche auf der HighTech-Station war mit weiteren, lustigen Erkenntnissen verbunden, die einen nicht lange überleben lassen würden, ausserhalb derer man jedoch kerngesund war. Eine konkrete Diagnose hingegen gab es nicht. Das Fieber wurde künstlich rund um die Uhr gesenkt, das Bettzeug nachts manchmal in drei Runden gewechselt.

Junge PJler, die ihre Übungsnadeln gerade noch in tote Schweine geschlagen hatten, arbeiteten sich nun an meinen Adern ab. Die Menükarte bot Gutbürgerliche Küche.

Ich musste alleine darben, da man eine Infektion (Pfeiffersches Drüsenfieber) nicht ganz ausschließen wollte. Okay für mich, war ich doch den ganzen Tag beschäftigt mit allen erdenklichen Untersuchungen und der gutbürgerlichen Küche.

Geschäftlich zu verpassen gibt es auch nichts, da ich wenige Tage vor dem ersten Fieber mein Jahr 2012 abschloss. Gönne ich mir also ein paar Tage kostenlosen Check-Up vor Weihnachten.

Denkste.

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