Ich wollte etwas über dieses Asylantenheim schreiben …

… aber dann hätte ich vielleicht aufrechte Asylanten beleidigt, indem ich sie mit Politikern und Beamten vergleiche.


Photo via Kai Thrun, fb.

Bei meinem 'Asylantenheim' handelt es sich um die Ständige Vertretung Baden-Württembergs in Berlin. 'Asylanten' im Kleinen. Föderal.

Selten ist mir einerseits der Schwachsinn des Föderalismus, andererseits die Geltungssucht selbst kleinster Politiker und Beamter unangenehmer aufgestoßen als beim Betrachten dieses Bildes.

Braucht BW eine Ständige Vertretung in Berlin? Muss das solch ein Protzbau sein?

Bestimmt nicht, und Ja klar. Schließlich repräsentiert man mit solch einem Gebäude, mit einer Oberklasse-Limousine, mit Anzug und Krawatte aus feinstem Tuch den Staat – oder halt das Bundesland.

Warum dürfen aber nur Ämter und Regierungen derart repräsentieren? Warum stellen sie sich in Prachtbauten zur Schau? Warum erhöhen sie sich über unser Volk, statt mit uns auf Augenhöhe zu sein?

Warum repräsentieren wir nicht mit Obdachlosen, die wir von der Straße holen, indem wir ihnen bezahlbare Wohnungen geben, statt uns selbst unbezahlbare Büros?

Warum repräsentieren wir nicht mit Altenheimen, auf die wir stolz sein können? Warum ehren und feiern wir nicht unsere Ältesten? Schließlich haben sie uns den Reichtum erarbeitet, den wir heute sinnlos verprassen. Uns geboren, großge- und anscheinend ver-zogen.

Warum repräsentieren wir nicht mit Asylantenheimen, auf die wir stolz sein können? Die unseren Gästen, die unsere Freunde werden wollen, zeigen, dass sie willkommen sind?

Warum repräsentieren wir nicht mit Krankenhäusern, auf die wir stolz sein können? Die Kranken dort sind krank wegen uns, weil wir sie angefahren, sie vergiftet, ihnen zu wenig oder das Falsche zu essen gegeben, sie im Job überfordert haben.

Warum repräsentieren wir nicht mit Schulen, auf die wir stolz sein können? Denn dort wächst unsere Zukunft heran, in triefenden Toiletten und Turnhallen, ohne Computer, ohne Programmierkenntnisse, ohne SchuldirektorInnen, ohne Weitblick und Sinn.

Warum verprassen die Diener unseres Staates unser Geld zu ihrem Wohle, statt einem größeren Ziele zu folgen? Nämlich den ältesten und den schwächsten und den neuesten und den jüngsten Mitgliedern unserer Gesellschaft Unterstützung zu geben und Dank?

Uns zu dienen, statt uns zu regieren. Uns zu vertrauen, statt uns zu überwachen. Uns voranzugehen, statt uns hinterherzuhecheln. Den Fortschritt in Siebenmeilenstiefeln zu forcieren, statt uns das Etablierte ans Bein zu ketten. Unsere Probleme zu lösen, statt selbst zu unserem größten zu werden. Uns die Schwierigkeiten aus dem Wege zu räumen, statt uns immer neue zu machen. Billiger wäre das allemal. Mit ein bißchen Empathie.

 

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