Wer meine Mails nicht beantwortet, isst auch kleine Kinder …

Ihr kennt das auch, oder? Diese Menschen, die einem mit größten Augen an den Lippen hängen und einem vor 'Boah eh' das Hirn raussaugen, die Hand abhacken, das Autogramm damit fälschen wollen …

Diese Menschen, die mit Dir fast schon die Welt retten wollen, unendlich altruistische und empathische Gedankenkonstrukte, Projekte und unbedingt nächste Schritte entwickeln. Die mit Dir krebsuzette unterstützen und zu höherer Relevanz bewegen wollen. Die voll auf Deiner Wellenlänge sind.

Diese Menschen, die dann in ihre Büros zurückschleichen, schon im Aufzug den Schwanz wieder einziehen, sich wieder den Realitäten ihrer kleinen Welt stellen, am Tisch schon denken, shit, was hab ich dem da wieder zugesagt. Boah, aber es klang soooo gut. Mensch, wir müssen das machen. Unbedingt.

Nee, ich trau mich nicht.

Diese Menschen, die dann mit ihrem vollen Höschen, weil sie sich zu weit aus dem eigenen Fenster lehnten, meine Erinnerungs- und Nachhak-Mails nicht beantworten. Wochen- und monatelang. Sich am Telephon oder bei Facebook verleugnen lassen. Keine Mittagspause mehr draussen nehmen, aus Angst, von mir gesehen zu werden. Die jetzt lieber in Urlaub fahren, statt die Beförderung anzunehmen. Oder sich nach Taka-Tuka-Land versetzen lassen, damit sie nie wieder an mich erinnert werden, an mich denken müssen. An ihr Versagen, ihre Dummheit, ihre Unmenschlichkeit.

Statt mir zu sagen, eh, Du, ich war da ein bißchen übereuphorisch. Statt zu sagen, mein Chef ist dagegen. Statt zu sagen, meine Mutter hält auch nichts davon. Statt ehrlich auf mich zuzugehen und zu sagen, man hätte sich geirrt. Denn das kann passieren. Wir machen alle Fehler.

Aber Mails einfach nicht zu beantworten, bei Facebook sich totzustellen, sich eine Geheimnummer zu besorgen, sich einen Künstlernamen zu geben, sich in ein Zeugenschutzprogramm aufnehmen zu lassen und zu verschwinden? Come on!

Wo ist das Problem dieser Menschen, einfach die Wahrheit zu sagen. Einfach meine Freunde zu bleiben. Einfach es später mit einer anderen Idee nochmal zu probieren. Einfach noch in den Spiegel gucken zu können.

Statt mich wochen- und monatelang hinzuhalten, bitten und betteln, mich im Dienste der guten Sache erniedrigen zu lassen. Die Chancen der Kinder und erwachsenen Krebskranken einfach zu verspielen, in dem man selbst auf Zeit spielt. Der wird das schon vergessen, irgendwann wird er aufgeben. Irgendwann.

Nein, wird er natürlich nicht.

Denn mir ist das Thema wichtig. Und ich habe genau diese Menschen angesprochen, weil sie helfen können, weil sie einen empathischen Eindruck machten. Weil sie sich altruistisch, weltoffen, engagiert gerierten. Weil sie mir die besten für den Job waren. Waren, längst nicht mehr sind.

Weil sie mich im Regen stehen ließen, ungerührt. Gleichgültig ihren Weg weitergingen. Egal, was mit den Schwächsten da draussen passiert. Sich aufregend am Abend bei der Tagesschau über all die Krebstoten, die sterbenden Kinder, Frauen und Männer. Und den ganzen Tag über die Augen verschließend, während sie selbst Leben retten könnten. Mit einer einzigen Mail, einem einzigen Ja. Einem einzigen Go.

Diese Menschen, die meine Mails nicht beantworten, die essen auch kleine Kinder.

Diese Menschen, wisst Ihr, vermisse ich trotzdem. Ich hatte sie gern. Sie waren immer gute Menschen. Ich weiß nicht, was geschehen ist. Und sie sagen es mir nicht.

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Hase
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