R101 – Rollstuhl-Experiment auf der Krebsstation

Den folgenden Text möchte ich schon seit Anfang Mai reposten. Das Original ist vom 02. Mai 2013. Mir ging es in der Chemo-Folge sehr gut und ich wollte die Probe aufs Exempel machen.

“Bin gerade 2 Stunden so Raul-mäßig mit dem Rolli unterwegs gewesen. Irgendwie wird man da viel breiter und ein wenig ehrlicher angelächelt und gegrüßt als der nur aufrecht durch die Gänge und Flure gehende Krebspatient.

Setzt man allerdings ein missmutiges Gesicht auf, ist es auch mit der Freundlichkeit der anderen schnell zu Ende.

Und ‘unverschämt!’ wird man in Gedanken wohl genannt und mit einem bösen bösen Gesicht bedacht, sobald man die Beine lässig und zufrieden übereinander schlägt.

Das passt wohl so gar nicht in das Bild der Menschen.

Eine sehr spannende Kurzerfahrung, dass selbst Krebspatienten noch nach Rolli / nicht Rolli unterschieden werden.

Schlimmer jedoch: dass man vom Behinderten anscheinend erwartet, eine bestimmte Rolle zu spielen (die des guten Behinderten!) und eine bestimmte Haltung an den Tag zu legen (nicht allzu schlecht gelaunt, aber doch erkennbar mit sich hadernd – und bloß nicht gutgelaunt lässig).

Es bleibt viel zu tun bis wir Menschen diese Reflexe ablegen.”

Ich kann nur jedem raten, sich in einen Rollstuhl zu setzen und ein wenig rumzufahren. Diese Erfahrung mit seinen Mitmenschen sollte man einfach machen.

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Via The New Yorker, Stanley Kubrick’s ‘Dr Strangelove’.