R101 – Sterbende Menschen sind wie kleine Kätzchen

Sterbende Menschen sind wie kleine Kinder. Sie brauchen Liebe, Geborgenheit, ein Gegenüber. Auch ihre Spiegelneuronen wollen noch schießen und sprießen.

Natürlich will das keiner hören. Bloß nicht reinfallen auf diese Mitleidstour. Am Ende werden noch längst verschüttgegangene Gefühle geweckt. Gefühle, bei denen man ganz glücklich war, ohne sie durchs Leben zu kommen. Danke Mama, danke Papa, danke Lehrer, Professoren, Bosse, dass Ihr mir die aberzogen habt.

Sterbende, kranke Menschen. Da soll sich gefälligst deren Familie drum kümmern. Oder das Altenheim, die Seniorenverwahranstalt. Der Vorhof der Hölle. Nicht wir, wir haben genug andere Sorgen. Tagtäglich. Wer soll unsere Kinder erziehen, auf sie aufpassen, sie zu besseren Menschen machen als wir selbst es sind? Oma und Opa sind im Heim, die drücken sich, wiedermal. Verballern unser Erbe.

Nein, sterbende Menschen sind süß, wie kleine Kinder. Sie sind neugierig, wissbegierig, gierig nach Leben. Tolpatschig. Gierig nach Jugend, Bewegung, mentaler Fitness. Lassen etwas fallen. Vergessen etwas. Zum Glück ist uns das noch nie passiert.

Süß wie kleine Kätzchen, die einen friedvollen Platz suchen, die Wärme brauchen, berührt und gestreichelt werden wollen. Nehmt sie nur endlich mal wieder in den Arm, dann werdet Ihr es sofort bemerken.


Via newsweek on tumblr.

Sie sind unsere Eltern und Onkel und Tanten. Sie haben uns großgezogen, ausgehalten, und fern gehalten von allem Übel. Sie waren immer da, wenn wir sie brauchten. Bis wir mit ihnen brachen, weil sie für unsere Zwecke nicht mehr zu gebrauchen waren.

Süße kleine Kinder, Kätzchen gleich, die einfach nur ein kleines bißchen der Liebe und Aufopferung und Sorge zurückhaben wollen, die sie uns in unserer Kindheit und Jugend gegeben haben.

Lasst sie jetzt nicht allein. Wären sie nicht, währet Ihr nicht. Ihr seid ihnen zu herzlichstem Dank verpflichtet. So wie sie Eure Jugend versüßten, so solltet Ihr ihr Alter zu einem Erlebnis machen.

Danke.

 

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