R101: Irene, das Tagebuch, der Autor und Gott (revisited)

Dies ist ein Repost vom 07. Juli 2013. Der Text spielt ein wenig mit Freuds Ich, Überich und … Ihr wisst schon. Nur als Tipp, falls Ihr total verwirrt seid.

Keinesfalls aber ist es natürlich so, dass ich damals total verwirrt war. Denn dafür gab es keinen Grund, wenige Tage vor meiner letzten Chemo, der Ganzkörperstrahlentherapie, den Antikörpern des Kaninchens und der Stammzelltransplantation. Oder?

Also. 

Irene war entschlossen, über ihre letzten Tage Buch zu führen. … Blödsinn. Irene entschloss sich, … ja, besser … über ihre letzten … Letzten? … Es würden ihre ersten Tage sein, und die letzten eben nicht im letalen Sinne, sondern nur im Abschiedssinne vom alten Knochenmark, dem Immunsystem, den Gedächtniszellen, der Blutgruppe.

Ein Tagebuch würde er sie schreiben lassen, in ihren Worten, dachte der Autor. Mir doch egal, dachte ich.


Via 'this message is too wide to fit your screen'.

Ob es einen Gott gab, fragte Irene sich, und wenn, warum er dies zuließ. Dies alles. Und warum er den Teufel geschaffen hatte. Hatte er sowenig Vertrauen in sich selbst, dass er das Böse brauchte, um es die Menschen in seine Arme treiben zu lassen? War auch er am Ende nur ein kleiner, unsicherer Mensch? Oder gar selbst ein Teufel, wenn er solch einen Teufel sich herbeiphantasieren, soviel Böses kreieren konnte, nur um seine göttlichen Ziele zu erreichen, die Menschen in Angst zu treiben, ihn selbst als Retter, Führer und Heiland anzubeten.

Irene brauchte keinen Gott, dachte sie, glaubte an keinen Gott, war schließlich selbstständig, frei, individuell und selbstbestimmt, schrieb der Autor – und fragte sich, ob er Irene 'Führer' würde denken lassen dürfen.

 

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