Agency Cup, Frauen, Agenturen und der Blutkrebs

Wie die Weltmeister kämpften, siegten und feierten die Spieler-, CheerleaderInnen und Fans des Agency Cups in Leipzig.

Und retteten fast nebenbei mehr als 250(!) Leben. Denn mehr als jede/r Zehnte ließ sich bei unserer DKMS-Aktion als potentieller Stammzellspender registrieren. Mehr war in den wenigen Stunden des weltweit größten Agentur-Fußballturniers nicht drin. Perfekt!

Wie jedes große Turnier war auch der Agency Cup von entsprechenden Emotionen geprägt. Sieger, Verlierer, Fans, Verliebte, Alkoholisierte – eine wundervolle Melange, die man erlebt haben muss, um sie nicht mehr missen zu wollen.

Und dies alles in diesem Jahr eben auch in Unterstützung meiner krebsuzette-Initiative, die sich nicht nur die Geld- und Stammzell-Spendensammlung, sondern auch die Enttabuisierung von Krankheit, Krebs und Tod auf die Fahnen geschrieben hat.

"Das ist nicht mein Ding", wiederholte fast trotzig ein Mann von Ebay Advertising, sich an Bier und seine Überzeugungen klammernd. Selbst hunderte freiwillige Spender neben seinem Freibierstand konnten ihn nicht umstimmen. Des Menschen Wille ist sein Himmelreich, das sollte man akzeptieren.

Übertroffen wurde der Ebayer nur von einem leicht angeheiterten Spendewilligen, der aber ebenso leicht von seiner Angst vor einer 'Ganzkörperlähmung durch Rückenmark(!)punktion' befreit werden konnte.

Die Frauen des Agency Cup waren da aus ganz anderem Holz gestrickt. Frauen scheinen gleichzeitig mutiger und realistischer, dass man kleine persönliche Opfer zumindest wagen muss, um die Welt zu retten.

So überraschte mich eine junge Frau aus dem Hause JvM/Neckar komplett, die einsam, fast verloren, auf ihre Freundinnen wartend, wenige Meter vom DKMS-Stand entfernt, in sich versunken saß.

Ich las ihr die Angst vor einer schmerzhaften Knochenmarkpunktion direkt von den Augen ab, und erklärte ihr, dass weder ihre Spende, noch meine damalige Transplantation aufwändiger wäre als eine durchschnittliche Blutabnahme. Ich ließ sie allein, um nicht länger in sie zu dringen.

Wenige Minuten später staunte ich nicht schlecht, als sie stolz und selbstbewusst mit einem Wattestäbchen im DKMS-Zelt saß. Sie wäre eine würdige Botschafterin dieser guten Sache in ihrer Agenturheimat.

Frauen kann man mit Argumenten und Details von der guten Sache und dem vergleichsweise kleinen persönlichen Opfer überzeugen. Sie wissen um die Geburt, den Schmerz, den Kreislauf des Lebens. Männer fallen schonmal in Ohnmacht oder verstecken sich hinter der Jagd, dem Alkohol, im Eckbüro.

Musste ich also Sybille, Karen, Ina ansprechen, überlegte ich, um Achtung!, Ogilvy, thjnk und AvL/tiefblau zu gewinnen? Oder denken Mirko, Thomas, Michael, Hubertus und Andre sowieso schon darüber nach? Nicole hatte übrigens mit Vivaki bereits 2013 eine Registrierungsaktion zu meinen Ehren durchgezogen.

Musste ich Tina Müller gewinnen, damit sich StammzellspenderInnen in allen Opel-Werken via DKMS registrieren lassen können? Oder ist KT Neumann offen.

Vielleicht, fiel mir ein, hätte ich Katharina Borchert (Spiegel) und Gabriele Fischer (Brand Eins) direkt ansprechen sollen, statt der mir bekannteren Männer um sie herum. Vielleicht wären dann meine jeweiligen Ideen für die Enttabuisierung des Krebses längst realisiert. Vielleicht.

Bei der Wirtschaftswoche jedenfalls war Online-Chefredakteurin Franziska damals dankenswerterweise sofort mit Herzblut bei der Sache.

Höhepunkt aber meines Agency Cups war eine Leipziger Taxifahrerin, nachts, beim Verlassen der ASMI-Players-Night. "Hatten Sie eine schwere Krankheit und wären fast gestorben, und sind jetzt geheilt?", fragte sie mich aus heiterem Himmel. Ich war perplex. Konnte sie hellsehen?

Sie gab sich als genau die Taxifahrerin zu erkennen, die wir Stunden zuvor nach dem Eingang zur Glashalle gefragt hatten. "Und haben Sie heute eine Aktion mit diesen, äh, Wattestäbchen gemacht?"

"Ja", antwortete ich, "ich habe Lymphdrüsenkrebs und konnte nur durch eine Stammzelltransplantation gerettet werden. Deshalb initiierte ich die heutige Aktion".

Ihre Passagiere (Cup-Teilnehmer) – so die Taxifahrerin – hatten uns erkannt und ihr meine Geschichte erzählt. Wie genial. Ich war beeindruckt.

Danke, liebe Spieler-, CheerleaderInnen und Fans des Agency Cup auch für dieses Learning: Solange Empathie in den Menschen ist, solange gibt es Hoffnung.

Und dann ist auch gleich, ob Mann oder Frau. Mancher muss eben noch einen Moment länger die eigenen Gefühle und Befindlichkeiten sortieren. Vielleicht mit einem Freund. Oder einem Bier. Beim Cup jedenfalls lief es super.

Der Vorstand (durchweg männlich:) des Werbefußballverbandes gar zögerte keine Sekunde Wochen zuvor, mich in meiner Idee zu unterstützen und die DKMS aufs Spielfeld zu lassen. Diese neuen Männer braucht das Land. Sogar auf Facebook machten sie vorbildlich Mut: "Wenn wir das können, dann könnt Ihr das auch!", posteten sie dort.

"In diesem Sinne!" kann ich da nur abschließend sagen.

Seid also inspiriert von den mutigen, engagierten, empathischen Frauen und Männern des Shutterstock Agency Cup 2014 und meldet Euch bei mir unter engage@krebsuzette.org, um eine Stammzellregistrierungsaktion bei Euch in Eurer Agentur, Medium oder Unternehmen zu realisieren!

Selten ist es so einfach, ein paar Seelen, ein paar Leben zu retten.

Ich freue mich, von Euch zu hören.