R101: Vier Jahre Krebs = ca 1.457 Bad-Hair-Days

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Vor wenigen Wochen waren die ersten vier Jahre Rumkrebsen seit meiner finalen Diagnose rum. Ein weiterer Meilenstein zum ewigen Leben – na gut, das kann man jetzt so oder so verstehen.

Vier Jahre Krebs bedeuten irgendwie knapp 1.457 Bad-Hair-Days. Gefühlte Bad-Hair-Days. Im ersten Jahr hatte man zu wenige Haare am Körper, um sich darüber Gedanken zu machen. Im zweiten Jahr saß man in Quarantäne und zu Hause rum, versuchte zu überleben und scherte sich nicht um Frisur und andere Leut’. Ganz im Gegenteil: die schlecht sitzende Frisur brachte mehr Mitleids-Punkte als der perfekte Sitz. Das haben Heidi und Schwartzkopf noch nicht verstanden. Aber die wollen kein Mitleid, sondern Sales, Einschaltquoten, wasweißich. Ich will ja nur meine Ruhe. Seit meinem 16. Lebensjahr.

In den Jahren 3 und 4 anno krebsuzette wurde dann die Frisur wieder wichtiger als das Überleben. Prioritäten. Was sollen die Leute sagen!? Ihr kennt das. Was hatte ich früher schöne Haare. Mir wurde dieser später berühmte Song gewidmet. Nach all dem Chemotherapieren, Bestrahlen, Transplantieren aber war nichts mehr wie zuvor. Also bei der Frisur. Hatte ich schon erzählt, dass sich die Nägel an Fingern+ erneuern? Coole Sache. Nicht. Ich verstand endlich die Menschen mit schwachen Nägeln. Blase. Rückgrat. Auch. Nicht.

Das kräftige Haar – in ehemals vollendet hawaiianischen Wellen – war einem durchschnittlich glatten, dünnen Haar mit äußerst wenigen Schwartz-Anteilen gewichen. Das war nicht mehr meines.

Mein neues Haar machte mich weiser, nicht schöner. Wer will das schon? Aber im Zweifel ist dies sowieso die Idee des Krebses: die Menschen weiser werden lassen. (Mich nicht, denn ich hatte mich – anlässlich eines Fahrradunfalles – schon früh aus diesem Affenhaus mit angeschlossenem Hamsterrad verabschiedet.)
Die Menschen ihr Leben infragestellen, nach Sinn suchen lassen. Sie sagen lassen, dieses bisherige Leben ‘könne doch nicht alles gewesen sein’. Eine wahre Aufgabe und entsprechenden Sinn finden lassen. Die Konsequenzen ziehen lassen. – Stirb leise oder werd’ weise!

> Hier findet Ihr übrigens the full story > R101 – Von der Krebsdiagnose bis heute.