“Update: Die Kunst des Liebens” – Felix auf der #rp17, Fromm und ich in der Dorfbuchhandlung

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Felix hielt einen wiedermal beachtenswerten Vortrag auf der republica. Er machte sich Fromms ‘Die Kunst des Liebens’ zu eigen, wie er es bezeichnete.

Auch ich las sehr früh Fromm, vielleicht zu früh. Aber ich hatte damals in meiner Pubertät, und darüberhinaus, eine wichtige Frage zu beantworten: Wie muss der Mensch selbst leben, um nicht des Menschen Feind zu sein? Gibt es die eine Regel, die sich jeder zu eigen machen sollte, damit die Menschheit glücklich wird, zufrieden im Miteinander lebt, wir alle in Ruhen und voller Tatendrang alt werden können?
Da kommt man an Fromm nicht vorbei.

Fromms ‘Die Kunst des Liebens’ war eine der vielen Facetten einer mehrjährigen ersten Etappe auf meinem Wege zur Erkenntnis. Wohlwissend, dass das letztendliche Reiseziel – reiner Erkenntnisgewinn – in seiner Gänze nie zu erreichen sei. Tief in mir spürend, dass mich meine evolutionäre Neugier nicht müde werden ließ, gar noch anspornte, immer mehr wissen zu wollen, verstehen zu wollen, erkennen zu wollen, je mehr ich erkannte. Ein phantastischer Kreislauf, der mich in immer neue Höhen brachte, und den ich jedem Menschen wünschte.

Umso mehr schockte mich ein Erlebnis in den späten 70er Jahren: eine neue Buchhandlung hatte in meinem Dorfe ihre Pforten beinahe unendlichen Wissens geöffnet. Eine junge Buchhändlerin aus der nahen Stadt wollte dem Land mittels einer Zweigstelle die Lehren der Welt nahebringen. Ein lobenswerter Versuch.

Leider ein zum Scheitern verurteilter Versuch. Fromms Buch bekam in der Schaufensterauslage nichteinmal die Zeit, in Ehren in der Sonne zu bleichen, ehe sich die Ältesten des Dorfes, mentale Stöcke schwingend aufmachten, diesem Machwerk zügellosen Sexes und der teuflichen Begierde den Garaus zu machen. So zumindest missverstanden sie das Buch vom bloßen Titel her. Und all die anderen, die ihnen blindlings folgten. Die aufklärenden Worte der jungen Buchhändlerin verklangen im Grundrauschen des Hasses der alten Männer auf alles, was sie nicht kannten.

Die Buchhändlerin entschloss sich, dem Dorf den Rücken zu kehren, statt Fromms Buch aus dem Fenster zu entfernen. Ich lernte daraus:
– Don’t judge a Book by its Cover.
– Verbanne/verbrenne keine Bücher.
– Unterdrücke keine anderen Meinungen.
– Folge niemandem blindlings. Er könnte selbst blind sein.
– Frage immer Warum?
– Entwickle ein Rückgrat.

Ich bin dankbar für dieses frühe Erlebnis.
Warum der alte Mann so handelte wie er handelte, könnte Ihr jetzt in Felix’ Vortrag über Fromms ‘Die Kunst des Liebens’ ergründen.

In diesem Sinne! #stopmakingsense #savingsomesouls