Rumkrebsen101 – Was nur ist aus dem Menschen in uns Menschen geworden? – #savingsomesouls

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In den letzten Tagen hatte ich ein Deja-Vu. So frappierend, dass ich mich schon in der Matrix wähnte. Die letzten Monate spiegeln derart verstörend meinen Post von vor 3 Jahren und 13(!) Monaten, dass ich ihn hier aktualisiert reposten muss: “Wer meine Mails nicht beantwortet, isst auch kleine Kinder …”. Denn die Welt ist – in diesem Sinne – kein bißchen besser geworden. Höchstens dunkler. Traurig.

14.05.2014 – Reconvaleszenz nach der Krebstherapie: “Ihr kennt das auch, oder? Diese Menschen, die einem mit größten Augen an den Lippen hängen und einem vor ‘Boah eh’ das Hirn raussaugen, die Hand abhacken, das Autogramm damit fälschen wollen …

Diese Menschen, die mit Dir fast schon die Welt retten wollen, unendlich altruistische und empathische Gedankenkonstrukte, Projekte und unbedingt nächste Schritte entwickeln. Die mit Dir krebsuzette unterstützen und zu höherer Relevanz bewegen wollen. Die voll auf Deiner Wellenlänge sind.

Diese Menschen, die dann in ihre Büros zurückschleichen, schon im Aufzug den Schwanz wieder einziehen, sich wieder den Realitäten ihrer kleinen Welt stellen, am Tisch schon denken, shit, was hab ich dem da wieder zugesagt. Boah, aber es klang soooo gut. Mensch, wir müssen das machen. Unbedingt.

Nee, ich trau mich nicht.

Diese Menschen, die dann mit ihrem vollen Höschen, weil sie sich zu weit aus dem eigenen Fenster lehnten, meine Erinnerungs- und Nachhak-Mails nicht beantworten. Wochen- und monatelang. Sich am Telephon oder bei Facebook verleugnen lassen. Keine Mittagspause mehr draussen nehmen, aus Angst, von mir gesehen zu werden. Die jetzt lieber in Urlaub fahren, statt die Beförderung anzunehmen. Oder sich nach Taka-Tuka-Land versetzen lassen, damit sie nie wieder an mich erinnert werden, an mich denken müssen. An ihr Versagen, ihre Dummheit, ihre Unmenschlichkeit.

Statt mir zu sagen, eh, Du, ich war da ein bißchen übereuphorisch. Statt zu sagen, mein Chef ist dagegen. Statt zu sagen, meine Mutter hält auch nichts davon. Statt ehrlich auf mich zuzugehen und zu sagen, man hätte sich geirrt. Denn das kann passieren. Wir machen alle Fehler.

Aber Mails einfach nicht zu beantworten, bei Facebook sich totzustellen, sich eine Geheimnummer zu besorgen, sich einen Künstlernamen zu geben, sich in ein Zeugenschutzprogramm aufnehmen zu lassen und zu verschwinden? Come on!

Wo ist das Problem dieser Menschen, einfach die Wahrheit zu sagen. Einfach meine Freunde zu bleiben. Einfach es später mit einer anderen Idee nochmal zu probieren. Einfach noch in den Spiegel gucken zu können.”

Nachtrag 16.06.2017: Wo ist der Mensch im Menschen, der sich ‘gleich als Nächstes melden’ wollte? Wo ist er geblieben? Der Mensch, der unbedingt schnellstmöglich mit Dir Lunchen wollte, um ein neues Projekt zu besprechen. Weg.
Die Menschin, die weinte, als Du ihr von Deinem Krebs erzähltest, als Ihr Euch nach 14 Jahren zum ersten Male wiedersaht. Und die Menschin und die Menschin und die Menschin. Weg.
Der Mensch, der erst nach Eurem Gespräch verstand, dass eine 80-Std-Woche nichts ist, auf das man/Mann/CEO stolz sein kann. Weg.
Die Menschin, die Dich seit 2+ Jahren auf ‘demnächst, wir strukturieren gerade um’ vertröstet, um eine Stammzellspendenaktion in der Agentur durchzuführen. Weg.
Der Mensch, der Tränen in den Augen hatte ob Deines Krebses und Dir Mittwoch vor Monaten ein ‘immens wichtiges Projekt’ andienen wollte. Weg.
Der Mensch, der wollte, dass Du an seiner Schule die Schüler auf eine andere Ebene hebst. Weg.
Die Menschin, die seit Jahren mit jedem relevanten Thema zu Dir kommen konnte. Weg.
All diese wichtigsten aller Menschinnen, die unsere kompletten Vorgeschichten, von einer unbeantworteten Mail bis 20 Jahre gut Kennen, als Farce erscheinen lassen. Weg.
Die Menschin, die es vor Kurzem ‘phantastisch’ fand, ‘endlich wieder mit Dir zusammenzuarbeiten’, da ‘das früher auch immer so erfolgreich war’. Weg.
Der Mensch, der sich eine Stunde nahm, mit Dir die Zukunft der deutschen Agentur zu diskutieren, das ‘unbedingt’ fortsetzen wollte. Weg. Der Mensch, der Dich als CEO trotz vollbrachter Stammzellspende seit Monaten hängen lässt. Weg.
Ich bin doch kein Fanta4-Song.

14.05.2014 – Reconvaleszenz nach der Krebstherapie, cont’d: “Wo liegt das Problem dieser Menschen, einfach die Wahrheit zu sagen. Einfach meine Freunde zu bleiben. Einfach es später mit einer anderen Idee nochmal zu probieren. Einfach noch in den Spiegel gucken zu können.

Statt mich wochen- und monatelang hinzuhalten, bitten und betteln, mich im Dienste der guten Sache erniedrigen zu lassen. Die Chancen der Kinder und erwachsenen Krebskranken einfach zu verspielen, in dem man selbst auf Zeit spielt. Der wird das schon vergessen, irgendwann wird er aufgeben. Irgendwann.

Nein, wird er natürlich nicht.

Denn mir ist das Thema wichtig. Und ich habe genau diese Menschen angesprochen, weil sie helfen können, weil sie einen empathischen Eindruck machten. Weil sie sich altruistisch, weltoffen, engagiert gerierten. Weil sie mir die besten für den Job waren. Waren, längst nicht mehr sind.

Weil sie mich im Regen stehen ließen, ungerührt. Gleichgültig ihren Weg weitergingen. Egal, was mit den Schwächsten da draussen passiert. Sich aufregend am Abend bei der Tagesschau über all die Krebstoten, die sterbenden Kinder, Frauen und Männer. Und den ganzen Tag über die Augen verschließend, während sie selbst Leben retten könnten. Mit einer einzigen Mail, einem einzigen Ja. Einem einzigen Go.

Diese Menschen, die meine Mails nicht beantworten, die essen auch kleine Kinder. Diese Menschen, wisst Ihr, vermisse ich trotzdem. Ich hatte sie gern. Sie waren immer gute Menschen. Ich weiß nicht, was geschehen ist. Und sie sagen es mir nicht.

Hase
Via ‘this message is too wide to fit your screen’.

Zum Glück sind sie in der Minderheit. Und zum Glück laufe ich ihnen allen nicht mehr nach. Ich kann sie nicht retten. Sie wollen nicht gerettet werden. Sie verstehen nicht.

We all live in our selves and mistake it for life! – Wie sie wohl managen, führen, leben? Genauso? Was für eine Welt, in der keine/r mehr ehrlich dem anderen ins Auge blickt, und ausspricht, was sie denkt. In der keine/r mehr vertraut, sich öffnet. Kein Wunder, dass um sie herum kein Gras wächst, keine großen Menschen gedeihen. Keine Wunder geschehen …

In diesem Sinne!
#savingsomesouls
#talkingtacheles
#stopmakingsense


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