pleased to meet you! [mind-box-magazine no.05 // dec 2003]

(Background: “Diese Serie repostet meine ‘täglich aktuelleren und wahreren’ mind-box-magazine Cover Long Reads – ohne sonstige Anpassungen der Kleinschreibung, des ß und manchen Fehlers in Programmierung und Texten.

Oberhalb der Texte findet Ihr Original-Cover/Bilder. Folgt dem Link in das facettenreiche Innenleben des Mags. Es gewann zwei Lead Awards, Silber 2004 / Gold 2005. Enjoy!

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pleased to meet you!
[mind-box-magazine no.05 // dec 03]
[0] pleased to meet you!
[1] unabhängigkeit und individualität
[2] objektivität und erkenntnis
[3] phantasie und kreativität
[4] zukunft und perspektive

0312c

[0] pleased to meet you!

pleased to meet you! dich. das neue. das unbekannte. das unerwartete. das zwangsläufige. das schicksalhafte. das unausweichliche. das seit langem verdrängte. das beunruhigende. das verunordnende. das begeisternde. das glückbringende. das befriedigende. das erfüllende. das glückbringende. das begeisternde. das verunordnende. das beunruhigende. das seit langem verdrängte. das unausweichliche. das schicksalhafte. das zwangsläufige. das unerwartete. das unbekannte. das neue. dich. in mir. mich.

ich. umarme dich. verlange dich. liebe dich. erforsche dich. mich. meine gefühle. meine gedanken. meine stimmungen. meine begehren. wünsche. bedürfnisse. meinen antrieb. mein feuer. das feuer in uns allen.

pleased to meet you! pleased to meet me! finally! me! myself! i!

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[1] unabhängigkeit und individualität

independence > noun

1. freedom from control: freedom from dependence on or control by another person, organization, or state
2. beginning of political freedom: the date or point in time when a state achieves its political independence

individuality > noun

1. individual trait or character: a specific personality, character, or characteristic that distinguishes one person or thing from another
2. state of being an individual: the state or condition of being separate from others

ich kenn dich doch! du warst doch schonmal hier! ja, lang ist’s her, ich weiß. aber ich erinnere mich. schön, dich zu sehen. auch wenn es nur probleme gab, wenn du da warst. kleiner scherz. seltsamerweise. denn alle sagten, sie lieben dich. in wirklichkeit hatten sie jedoch angst vor dir. kein wunder. du warst immer ein schwieriges kind. hast deinen willen durchsetzen wollen. wolltest dich nie anpassen. nie das leben leben wollen, das die anderen lebten. nicht, weil du anders sein wolltest. mußtest einfach anders sein, weil du anders warst. wolltest du selbst sein dürfen. wolltest um deiner selbst willen geliebt werden.

liebe war für dich sowieso ein schwieriges wort. hast immer gesagt, wenn die menschen wüßten, was liebe wirklich bedeutet, wenn sie sie wirklich leben wollten, würden sie an sich selbst verzweifeln. an ihrer unzulänglichkeit, wahre liebe zuzulassen. liebe war für dich immer größer als die menschen selbst. kein mittel zum zweck. nicht einfach nur das gegenteil von liebesentzug. nicht einfach nur ein mittel, die menschen für ihr wohlverhalten, ihren opportunismus zu belohnen. sondern die einzige möglichkeit des zusammenlebens. die einzige möglichkeit den anderen und seine eigen-artigkeit zu respektieren. zu fördern.

nun bist du selten geworden. weil dich niemand um deiner selbst willen liebte. so verdammt selten, daß ich mich nicht wirklich erinnere.

mir ist zum feuchte augen kriegen. warum auch immer. denn es geht mir gut. schon länger. ohne dich. habe viele bekannte. nette kollegen. einen job, der mich fordert. ein kleines reihenhaus. von meinem bausparvertrag. und habe viel spaß. zum beispiel, wenn ich werbung sehe. ein erfülltes leben. inmitten einer starken gemeinschaft. mit gesundem mißtrauen fremden gegenüber. ein schöner tag nach dem anderen. mit frischem diebels. wußtest du, daß ikea 1283 neue produkte hat? wußtest du, daß spenden für die dritte welt doch sinnvoll ist, denn der staat hat das geld nicht, den menschen dort zu helfen. er muß waffen kaufen, damit wir alle in einer sichereren welt glücklich werden können. oder werbung für sich machen, damit wir alle merken, daß wirklich was passiert. oder milchseen subventionieren, damit die dritte welt ihre erzeugnisse nicht bei uns verkaufen kann.

ich bewundere dich immer noch für deine ecken und kanten. für deine ehrlichkeit. geradlinigkeit. konsequenz. daß dir egal ist, was die anderen über dich denken. daß du sie immer noch zum nachdenken bringen willst. niemals aufgibst.

mir ist das zu anstrengend. ich brauche meine ruhe. meine gewißheit. die berechenbarkeit meines tages. meiner umgebung. meiner zukunft. brauche meine umwelt, die mir sagt, was ich anziehen, hören, sehen, denken soll. die mich leitet. mir halt gibt. geborgenheit.

brauche keine eigene meinung. brauche keinen eigenen standpunkt. will nicht standfest sein.

es ist schön, dich wiederzusehn. aber in mein leben paßt keine unabhängigkeit. schon gar keine individualität. außer ich kann sie kaufen. insignien des konsums.

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[2] objektivität und erkenntnis

objectivity > noun

1. ability to view things objectively: the ability to perceive or describe something without being influenced by personal emotions or prejudices
2. PHILOSOPHY actual existence: the actual existence of something, without reference to people’s impressions or ideas
3. accuracy: the quality of being accurate and independent of individual perceptions

objectivism > noun

1. LITERATURE emphasis on the actual: the emphasizing of external realities rather than beliefs or feelings in literature or art
2. PHILOSOPHY belief in independent truths: a philosophical belief that moral truths or external objects exist independently of the individual mind or perception

cognition > noun

1. ability to acquire knowledge: the mental faculty or process of acquiring knowledge by the use of reasoning, intuition or perception
2. knowledge acquired: knowledge that is acquired through processes such as reasoning, intuition or perception

brauche keine objektivität. und nicht das wissen der welt.

ich werde ja doch nie alles wissen. warum sollte ich auch? und objektive wahrheiten gibt es sowieso nicht.

ich werde mich also jetzt umdrehen und gehen. und bitte komme mir nicht nach. auch nicht dem kindheitswunsch meiner jugend, immer so aufgeschlossen und neugierig zu bleiben.

denn was bringen mir augeschlossenheit und wissensdurst, wenn ich überall anecke? keiner mich mehr liebt. ich mich nicht mehr zurechtfinde.

es gibt keine ewigen wahrheiten. keine ungeschriebenen gesetze. nichts, an das man sich wirklich halten kann. nur die gala oder die bunte. die stars und sternchen. die vorbilder einer neuen generation. das elend. die mittelmäßigkeit. das aufgehen in der masse. das untertauchen im subjektiven schleim des alltäglichen. um seine ruhe zu haben. sein glück zu finden. nicht nachdenken zu müssen. sondern zu leben.

wir müssen nicht mehr wissen. du sagst, weil wir meinen, es nicht mehr zu brauchen. vielleicht brauchen wir selbst es nicht. aber das land. der staat. die welt. in der wir leben. sagst du. der einzelne soll die welt retten. der einzelne soll beginnen zu leben als würden seine handlungen zur maxime der welt. für eine bessere welt. sagst du. aber was interessiert mich eine bessere welt. und ich hab es nicht. glück und geld der welt.

nur in unseren liedern glauben wir noch an wunder. und in unseren filmen. in bern und in lengede. an das gute im menschen. an eine bessere welt. warum nicht auch im wirklichen leben, fragst du.

ich muß los. und diese sophie-mechanik kotzt mich auch an.

unabhängigkeit und individualität. es war schön sie kennenzulernen. damals. in meiner jugend. mit den träumen, die wir damals träumten. die welt zu ändern. die welt zum besseren zu wenden. die hühner zu befreien. und die kühe. und die frauen. und die unterdrückten in der welt. die hungernden. die frierenden. die sterbenden. die verblendeten. die arroganten. die ignoranten. die intoleranten. die erwachsenen.

und dann je älter man wird, desto vernünftiger wird man. arrogannter. ignoranter. intoleranter. und umso unlösbarer werden die probleme der welt. kein wunder. in unseren cubicles. eckbüros. excel-zellen. geländewagen. mindboxes. reihenhäusern. schubladen. vorurteilen. vorverurteilungen. hier fühlen wir uns wohl. hier sind wir die herrscher. hier kennen wir uns aus. sind die machthaber. sind auch endlich die entscheider. handlanger in wirklichkeit. ausgebeutet. ausgenutzt. manipuliert. vollstrecker des mittelmaßes.

und es ist schön, sie ab und zu zu treffen. aber so zu leben wie sie. das geht nicht. und objektiv zu sein schon gar nicht. sind die anderen ja auch nicht. nachteile in kauf zu nehmen für das wohl der gemeinschaft? macht doch keiner. objektiv richtige entscheidungen zu treffen? nicht auf meine kosten.

dafür habe ich auch zu wenig phantasie, mir vorzustellen, wie die objektiven wahrheiten aussehen könnten. waffen sind schlecht? nahrung sollte nahrhaft sein? man vergewaltigt keine frauen oder kinder? essen sollte natürlich sein. die zehn gebote? wir sollten nicht gezwungen werden, zucker zu essen? eine innere moral? alkohol zu trinken? und dafür verzichten auf den neid in den augen der anderen?

nein, so zu leben, wie sie, das könnte ich mir wirklich nicht vorstellen. muß ich auch nicht. nicht mehr auf kosten der anderen? nicht mehr auf kosten der zukunft? nicht mehr arrogant ignorant und intolerant gegenüber …?:
– dem partner
– dem anderen geschlecht
– der unabhängigkeit und individualität
– freunden
– bekannten
– mitmenschen
– mitarbeitern
– kollegen
– vorgesetzten
– arbeitsabläufen
– maschinen computern
– eigentum und kunden des unternehmens
– eigentum der kleinen gemeinschaft, in der wir leben
– meinungen ansichten
– moral ehre
– ungeschriebenen gesetzen
– der erkenntnisoptimierung als solcher
– eigentum der großen gesellschaft in der wir leben
– natur umwelt
– zukunft (unseren kindern nachfahren)
– phantasie
– kreativität
– klugheit (im sinne angewandter intelligenz)
– gesundem menschenverstand
– etc.

auch wenn ich mich jetzt wiederhole!

0312c3

[3] phantasie und kreativität

fantasy > noun

1. imaginative power: the creative power of the imagination
2. mental image or dream: an image or dream created by the imagination
3. PSYCHOLOGY creation of mental images: the creation of exaggerated mental images in response to an ungratified need
4. impractical idea: an unrealistic and impractical idea
5. LITERATURE genre of fiction: a type of fiction featuring imaginary worlds and magical or supernatural events
6. MUSIC fanciful composition: an instrumental composition in a free and improvisatory style, sometimes based on well-known melodies.

creativity > noun

1. being creative: the quality of being creative
2. imaginative ability: the ability to use the imagination to develop new and original ideas or things, especially in an artistic context

ich hatte einen seltsamen traum. einen traum, in dem die intelligentesten ihr leben damit verschwendeten, toilettenpapier noch weicher und gleichzeitig reißfester zu machen. in dem die intelligentesten millionen damit verdienten, waffen zu entwickeln, die noch genauer töten. einen traum, in dem, wie ich einmal schrieb, die pfaffen die waffen, die die menschen ihrem gott näher bringen, segneten.

ein traum, in dem die who monatelang verhandelt, um mit 5,5 milliarden euro einem bruchteil der 40 millionen aids-kranken zu helfen, von denen jedes jahr 3 millionen sterben – und gleichzeitig ein überflüssiger krieg die 20-fache menge dieses geldes frisst. 3 millionen tote pro jahr. weil die medikamente der pharma-industrie zu teuer für die sogenannte 3 welt sind. zum glück nur ein traum.

ein traum, in dem kinder für handys, nike-sneakers oder die richtige jacke betrügen, verprügeln, sich verkaufen, töten. einander. sich selbst und andere.

ein traum, in dem politiker sich vehementer gegen den namen einer schule engagieren als für die hochschulsituation, bildung, arbeitsplätze, den stopp überflüssiger subventionen und gerechtigkeit in der welt. subventionen sind der beste beweis für fehler im weltsystem.

und:

ich hatte einen seltsamen traum. einen traum, in dem unabhängigkeit, individualität und objektive erkenntnis die basis für wirkliche kreativität waren. kreativität, die die welt veränderte. innovative techniken, heilverfahren, dienstleistungen und produkte hervorbrachte. die wirtschaft ankurbelte. den menschen wieder wohlstand brachte.

einen traum, in dem die politiker die phantasie hatten, gerade nicht das naheliegendste, das opportune zu tun, sondern das richtige. und schnell.

einen traum, in dem die politiker und manager nicht nur acht oder 15% vertrauen in der bevölkerung hinter sich hatten. sie ihre phantasie nicht nur dazu nutzten, unentdeckt in ihre eigenen taschen zu wirtschaften. die hälfte ihrer zeit damit verbrachten, sich aus ihren fehlern und fehentscheidungen herauszuwinden.

ein traum, in dem vielfalt und farbenfreude das graue einerlei aus unseren marken und herzen, unseren produkten und schulen verdrängten. phantasie und kreativität die langeweile ablösten. gelebte emotionen und leidenschaft die vielfalt in die welt zurückbrachten.

eine unheimliche begegnung. ein alptraum.

0312c2

[4] zukunft und perspektive

kurzfristig: save the children. their will be love. christmas time. one world. there will be happiness. christmas time. one world. not three. the bells are clinging. children are singing. segensvolle weihnachtszeit. groß und klein. alle stimmen ein. save the children. alle menschen werden brüder. hope. der besinnung und der liebe. and love. freedom and peace. believe in miracles. all over the world.

mittelfristig: schlußverkauf bei c&a. tauschen sie innerhalb der nächsten 14 tage um. preisvorteil von €5000. der nächste sommer kommt bestimmt. 0190… ruf mich an. reife dominas. neue klingeltöne. polyphon. weihnachten. vergessen. nächstenliebe. vergessen. frisch verliebt? sag es mit deinem eigenen love-logo! schick einfach eine sms an…

langfristig: interessant, wie wenig wir bei den meisten fragen des täglichen politischen und kommerziellen denkens und handelns an unsere kinder denken, die wir ja so lieben, daß wir alles für sie tun

… (würden, wenn es in unserer macht stünde, diese welt zu retten. wenn wir die entscheidungen treffen könnten. wenn wir an der stelle der politiker wären. an der stelle der manager. der entscheider. der vorgesetzten. der kollegen. der freunde. der bekannten. der nachbarn. wenn wir an unserer stelle wären. wenn wir wir selbst wären. sein dürften. wir. menschen. wenn wir uns doch nur einmal begegnen würden. uns sehen könnten. wie wir wirklich sind. was würden wir nicht alles ändern. pleased to meet you!)

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| In diesem Sinne!
| #stopmakingsense
| Wir sollten reden!

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