Osterpredigt und Segen Urbi et Orbi

Die Osterpredigt hat hier schon beinahe Tradition. Heute besteht sie jedoch nur aus dem Segen Urbi et Orbi.

Urbi
(Repost vom 03. August 2014 – Eine Reflexion über das Heute, die Zeit und die Menschen)

Ein Jahr. Das ist eine so unendlich lange Zeit, dass es eine Schande ist, wie wenig wir in einem Jahr schaffen. Wie wenig wir (uns) bewegen. Wie wenig wir uns weiterentwickeln. Wie wenig wir wachsen. Qualitativ. Über uns hinaus. Unabhängiger, brillanter, relevanter werden. Als Individuum, als Wirtschaft, als Kultur, als Gesellschaft. Das Gestern hinter uns lassend. Eine wirkliche Schande.

Unsere Konsequenz daraus? Wir denken noch mehr an uns. Wir arbeiten noch mehr, noch schneller. Wollen dafür noch mehr Geld, Konsum, Unnützes um uns scharen. Wollen noch mehr HABEN. Willigen ein, dafür noch weniger zu SEIN. Wollen alles und verzichten auf nichts. Wissen gar nicht mehr, was wir noch wollen. Hauptsache, mehr als alle anderen. Gleichgültig der Welt, den Menschen, uns selbst gegenüber. Dahinvegetierend, dahinkonsumierend, dahinsiechend, pyrrhus-siegend.

Immer mehr vom immer gleichen macht uns immer seltener und immer weniger froh. Wir haben immer weniger Spaß an all dem Materiellen. Verfluchen heimlich und leise dieses Hamsterrad, das Kettenkarussel. Sehnen uns nach Abwechslung, Vielfalt, Sinn. Sehnen uns nach Berührung, Haut, einem Hauchen. Sehnen uns nach einem Menschen. Nach nur einem einzigen Menschen. Mit ihm oder ihr die Leere zu teilen, die wir inzwischen Leben nennen. Zu erkennen die Leere. Zu fühlen die Leere. Zu füllen die Leere. Den Kopf zu heben. Die Augen zu öffnen. Endlich zu erwachen. Aus dieser Leere, diesem Schlaf, diesem Tod, den wir Leben nennen.

Orbi
(Repost vom 15. Juli 2013 – wenige Tage nach meiner Transplantation)

Als sie wach wurde, war Irene immer noch der gleiche Mensch, weder Mann noch Frau, schwarz noch weiß, groß noch klein. Weder un- noch gläubig.

Sie legte ihre Dreifaltigkeit ab und verzichtete von nun an auf ihre Namen. Irene, Autor, ich.

Sie legte ihre Weiblichkeit ab, damit ihr mehr Männer zuhörten, und ihre Männlichkeit, damit ihr mehr Frauen Gehör schenkten.

In ihr wuchsen die zarten Bande eines neuen Lebens. Die Welt drehte sich schneller unter seinen Füßen. Alle stolperten weiter über ihre eigenen, statt den Kopf zu heben, die Augen zu öffnen, zu sehen, dass es einfach nur immer schneller dem Abgrund entgegen ging.

In ihm war weitaus mehr Tod als Leben. Ein Grund, die ersten Joy Division Platten zu hören. Kein Grund, das Denken zu ändern, oder gar einzustellen. Der Tod war der einzige Grund, innezuhalten. Das Sterben nicht.

Vor allem nicht dieses langsame Sterben, bei dem wir alle zuschauten, in Neuland, Altland, Tagesschau, vor dem Altar der Dummheit … uns selbst … immer wieder … uns labten, dass es den anderen noch schlechter ging. Uns lustig machen über die Hilflosen, über die sich echauffierenden, lustig über die, die etwas tun, und über die, die nichts tun. Über jeden.

“Die Dummen lachen”, sagte mein Vater dann immer.

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| In diesem Sinne: Get well soon, Heimat!

| #savingsomesouls #savingsomelives
| #talkingtacheles #stopmakingsense

 

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